Max hat mich an Hand des aktuellen Spiegels auf eine Tendenz in der Medienlandschaft aufmerksam gemacht, die durchaus beforschenswert wäre.
Nachdem das Internet angeblich schon die Musikindustrie zerstört hat, ist es jetzt angeblich drauf und dran die Printmedienindustrie zu zerstören. Die New York Times braucht einen 400 Mio. Dollar bailout durch einen – Ironie des Schicksals – mexikanischen Telekommunikationsmilliardär, zahlreiche regionale und überregionale (US-) Tageszeitungen stehen zum Verkauf und etablierte Magazine verlieren zumindest ihre lokalisierten Schwestern oder gehen ganz vom Markt. Als Grund wird oft die schwierige wirtschaftliche Situation zitiert, in die man gekommen ist, weil im Internet ja alles gratis ist und sich bezahlte Informationsangebote noch weniger rechnen als werbefinanzierte Modelle.
Ganz offensichtlich wollen sich die Printmedien das aber nicht so einfach gefallen lassen und schlagen in letzter Zeit mit internetkritischen Storys zurück. Computerspiele sind plötzlich wieder hauptsächlich gesundheitsschädlich und führen zu Abhängigkeit und körperlichen Deformationen, Facebook ist sowieso die Hölle der Belanglosigkeit und Himmel der Spanner, Twitter ist der Ausfluss einer ADHS Gesellschaft die nicht mehr als 140 Zeichen kongruent denken kann und Blogger sind Egomanen ohne Ahnung vom Journalismus. (BTW: Ich kenne viele Blogger, aber keiner von denen würde sich als Journalist bezeichnen.)
Der Grund warum Medienkonzerne Probleme haben, liegt meiner Ansicht nach weniger in ihrem Unvermögen eine Website profitabel zu führen, als viel mehr darin, dass sie ihr altes Business nicht mehr profitabel führen können und dabei ist das Internet nur einer von vielen Faktoren – bei dem aber am leichtesten und ohne Selbstreflexion anzusetzen ist.
Vielleicht hat ja wer Lust sich mal genauer anzusehen wie sich die Artikel zum Internet in den Printmedien in ihrer Attitude im letzten Jahr verändert haben. Wäre sicher eine nette Bakk-Arbeit; und mit einem umfassenderen Untersuchungsdesign wohl auch eine gute Diplomarbeit.
In der BusinessWeek waren letzte Woche wieder einige sehr interessante Artikel zur Finanz- und Wirtschaftskrise. Zum Teil verstörend wenn man liest wie viel in den Banksektor geflossen ist und wie wenig der an die Wirtschaft in Form von Krediten weitergegeben hat. Verstörend, wie viele Computerchips und Autos aktuell produziert werden könnten und wie viele wirklich produziert werden. Ebenfalls verstörend, dass in den USA Häuser zu über 600.000 Dollar an Menschen mit einem Familieneinkommen von 100.000 Dollar im Jahr ohne Sicherheiten und ohne Anzahlung zu 100% fremdfinanziert zu tausenden verkauft wurden. Aber dazu schaffe ich es vielleicht noch einen eigenen Artikel zu schreiben.
Definitiv am verstörendsten weil eigentlich ein purer Werbeartikel war ein Beitrag indem es um reiche Menschen geht, die einen “Wealth Therapist” haben, der sie nun berät wie sie mit den vielen Anfragen von Freunden und Bekannten umgehen sollen, die jetzt in der Krise um eine kleine oder größere Finanzspritze ansuchen.
When the economy tanked this fall, Rob DeSantis’s phone began ringing. Suddenly friends, family, and neighbors were begging him for financial help. It’s not hard to see why. DeSantis is ultrawealthy, having co-founded Ariba, a dot-com-era startup that pioneered online purchasing for large companies. In one week in October alone, DeSantis says, the requests totaled half a million dollars. In December came another $1.5 million in pleas. [...]
Like many in his position, DeSantis sought professional help. He called his wealth therapists, Joan Indursky DiFuria, a commodities executive turned family counselor, and psychologist Stephen Goldbart, who together run San Francisco’s Money, Meaning & Choices Institute.
Ich sehe hier eine neue job opportunity für mich. Falls also jemand wirklich reich ist und ähnliche Probleme wie Rob DeSantis hat, kann mir ja einen anonymen Kommentar hinterlassen und ich werde mich umgehend melden. Ich kann das. Ehrlich.
Passend zum überarbeiten meiner Team- und Projektarbeit Lehrveranstaltung an der Uni Wien sind die Evaluierungsergebnisse eingetroffen. Mit einem Durchschnittswert von 1,5 nach fünfstufigen Schulnotensystem könnte ich mich ja eigentlich auch auf den Lorbeeren ausruhen
Die letzten Semester haben gezeigt, dass es nicht immer ganz einfach ist mit Studierenden die Vorteile, Nachteile, Fallen, Chancen, Erfolgserlebnisse und andere Variablen gemeinsam zu erarbeiten, wenn es einfach kaum Erfahrung in dem Bereich gibt. Das soll keine Schuldzuweisung sein. Woher sollen Menschen Anfang 20 auch Erfahrung mit der Leitung von Teams und Organisational Behavior haben? Einige der Modelle die wir in der LV erarbeiten, bleiben dadurch aber etwas abstrakt bzw erlebnisfern.
Natürlich kennt jede StudentIn Gruppenarbeiten, aber eben nur eine ganz spezielle Form von Gruppenarbeit. Nämlich die studentische Gruppe die ein Referat vorbereitet oder eine Seminararbeit koordiniert. Wirklich interagiert wird in diesen Gruppen selten, man arbeitet eher parallel (koagierend), die Interaktionen sind auf ein Minimum reduzierbar, Hierarchie und Rollen können sich kaum entwickeln und nach spätestens vier Monaten geht man wieder getrennte Wege. Wenn die Zusammenarbeit trotzdem nicht funktioniert und das Ergebnis nicht überzeugt, plädiert man bei der LV-Leitung um Nachsicht, aber “man hatte ja so einen unmöglichen Menschen in der Gruppe”. Ich bin daher auch nicht mehr überrascht wenn mich eine StudentIn am Semesteranfang fragt, ob sie ihre Arbeit/Referat auch alleine machen kann.
Sowohl die Plädierenden als auch die alleine arbeiten Wollenden sorgen bei mir für glänzende Augen, weil sie das Futter einer LV wie TEAM sind. Leider sind solche Fälle, aus den oben genannten Gründen, im Uni-Kontext noch schwerer zu bearbeiten als in ausseruniversitären Settings.
Einen Bereich den ich daher in den nächsten Semestern (so man mich läßt) ausbauen will, ist die Arbeit mit Fallbeispielen. Dazu suche ich noch deutschsprachige Case Studies zu Teamarbeit, Projekten, Entschiedungsprozessen etc. Deutsch deswegen, weil ich schon einiges englischsprachiges gesammelt habe, die meisten Fälle aber einen deutlichen Fokus auf großen Unternehmen haben und ich noch KMU Fälle suche und die denke ich eher im deutschsprachigen Raum zu finden.
Also hoffe ich von der Weisheit der Vielen zu profitieren und warte mal ab was so kommt!
Zu den bekanntesten Google Faces zählt sicherlich Marissa Mayer, Google’s Vice President of Search Product and User Experience. In einem Interview mit BusinessWeek erzählte sie kürzlich:
The mantra we’re hearing here around the Googleplex is “Scarcity brings clarity.”
Ein schöner Spruch aber meiner Meinung nach fehlt etwas, ein aktives Moment. Was tue ich denn nachdem mir klar ist, dass meine Ressourcen knapp sind? Den Kopf in den Sand stecken oder neue Wege finden mit der Knappheit umzugehen. Letzteres verlangt Kreativität.
Dass es, irgendetwas zwingt mich zu sagen, natürlich, keine Videoaufnahmen vom ausgesprochen übergriffigen Verhalten der Polizei gegenüber einem farbigen US-Amerikaner gibt überrascht mich nicht.
Die Hoffnung, dass Videoaufzeichnungen Aufschlüsse über das Geschehen erbringen, hat sich zerschlagen: Aufgrund spezieller technischer Gegebenheiten in der U-Bahnstation Spittelau seien keine Aufzeichnungen verfügbar, sagte Alexander Hofmann, Anwalt des US-Lehrers, unter Berufung auf Staatsanwaltschaft und Wiener Linien. Er bittet deshalb allfällige Zeugen, sich bei ihm unter der E-Mail-Adresse ra-hofmann@aon.at zu melden.
Schließlich sollen uns diese Kameras vor Kriminellen schützen und Polizisten sind ja keine Kriminellen. Die Kamera ist eben cleverer als die Polizei. Während die Polizisten den Verdächtigen verwechselt haben, hat die Kamera nämlich sofort erkannt, dass hier Polizisten auf einen unbescholtenen Menschen losgehen und hat sich dank hervorragender Bilderkennungssoftware gleich abgedreht.
Genau das gleiche machen diese Kameras auch dann wenn Eltern ihr Kind in einem Aufzug zurücklassen.
Mich würde es auch nicht mehr sonderlich überraschen, wenn all diese Kameras nur leuchtende LEDs wären. Zumindest würde es dann weniger Strom kosten.
Das Managementmodell “halte dem Esel eine Karotte vor die Nase um ihn in die richtige Richtung zu lotsen” mag nicht sehr wertschätzend für den Mitarbeiter klingen – wer will schon gerne mit einem störrischen Esel verglichen werden – funktioniert aber sehr gut, sofern man die passende Karotte findet. Geld ist, zumindest für einen gewissen Zeitraum, der Joker unter den Karotten. Folgend ein paar Beispiele:
Ken O’Brien was an NFL quarterback in the 1980s and 1990s. Early in his career, he threw a lot of interceptions, so one clever team lawyer wrote a clause into O’Brien’s contract penalizing him for each one he threw. The incentive worked as intended: His interceptions plummeted. But that’s because he stopped throwing the ball.
Years ago, AT&T executives tried to encourage productivity by paying programmers based on the number of lines of code they produced. The result: programs of Proustian length.
In the early 1980s, Bob Beck joined Bank of America as the head of human resources. The B of A was suffering from a lot of bad loans made to countries in Latin America. The source of the problem was soon clear to Bob: Loan officers were compensated on the volume of loans they made — the more loans, the higher their compensation. They would take the money and, in some cases, leave the bank before the loans went bad.
Fannie Mae, during the time it got into trouble by underwriting mortgages that would likely default and — believe it or not, even up this very moment — rewards people on the basis of the volume of loans they underwrite. Just the other day this person complained that she had “wasted” three hours reviewing loans that she had to turn down. The time was wasted because no loans were made, and thus no progress was made on the path to earning bonuses.
Ich denke ohne neuen Incentives die längerfrisitg orientiert sind, eine gewisse Sustainability ermöglichen, und nicht nur das Individuum belohnen werden wir aus der aktuellen Krise nicht herauskommen.
Executive Compensation, also, dass Manager die viel Risiko tragen und eine gute Performance bieten auch entsprechend bezahlt werden, ist, seit Obamas Vorstoß die Gehälter der Bankster die Staatshilfe bekommen zu limitieren, ein beliebtes Thema. Nur eben diesmal mit umgekehrten Vorzeichen. In meiner Wahrnehmung hat es erst Obamas Vorstoß möglich gemacht, dass auch österreichische Politiker, laut darüber nachdenken dürfen. Gut sind mir noch die Aussagen im Herbst im Gedächtnis, wo zwar Bankster Geld für ihre ohnehin nicht Probleme habenden Banken wollten, aber nicht bereit waren auch nur irgendeine Bedingung dafür zu akzeptieren. Und die Politiker hatten das auch so akzeptiert.
Graef Crystal ist seit 50 Jahren im Executive Compensation Business beratend tätig und stellt auf seiner Seite interessante Analysen zur Bezahlung im Top Managment zur Verfügung. Hier (PDF Datei) stellt er die oben angesprochene 500.000 Dollar Gehaltsobergrenze als das dar, was sie auch ist: Populistisch und inkonsequent dank vieler Hintertüren. So dürfen die Bankenvorstände (wie viele das sind wird nirgends definiert) zwar nur mehr die halbe Million verdienen aber alles was unter dieser öffentlichen Ebene ist, darf weiterhin groß abkassieren und ganz abgesehen davon dürfen alle weiterhin fette Aktienoptionsprogramme konsumieren und dank Schlupflöchern auch kurzfristig davon profitieren.
Auch die weiteren Analysen sind sehr informativ. Nicht aus einem Neideffekt heraus, sondern weil sie zeigen, wie das Kompensationssystem funktioniert: Irrational, willkürlich aber innerhalb dieser Annahmen sehr stringent
Wie jeder sympathische Neurotiker mit Existenzängsten (Kein Wunder wenn man schon als Kind Copingstrategien für den Weltuntergang wegen Treibhausgasen, sauren Regen, Aludosen, Einwegflaschen, Plastikflaschen, Müllberge, AIDS und Tschernobyl finden muss.) habe auch ich in den letzten Jahren immer brav einen Teil des erarbeiteten zur Seite gelegt, besser gesagt angelegt (auch mit staatlichem Bonus), um dann wenigstens in der (vielleicht nicht so rosigen) Zukunft (wenn man sie erlebt) auf nichts verzichten zu müssen. Man fährt nicht jetzt auf Weltreise sondern erst mit sechzig.
Jetzt sind mir in den letzten Tagen einige Konto- und Depotauszüge ins Haus geflattert. War das in den letzten Jahren ein überwiegend positives Erlebnis, ist heuer natürlich alles anders. Konnte ich mich vor ein paar Tagen noch selbst belügen und sagen “so schlimm ist es nicht” habe ich es jetzt schwarz auf weiß vor mir. Statt über Zukunftsvorsorge nachzudenken, stelle ich mal das Konzept Zukunft prinzipiell in Frage. Aus dem Konsumaufschub wurde eine Konsumunmöglichkeit.
Nicht ganz, heute hat sich nämlich etwas getan. Eine Paradoxie ist aufgetreten. Ich wollte eigentlich nur kurz ein Buch kaufen, bin dann aber wie so oft nicht bei den günstigen stw Bänden hängen geblieben sondern hatte plötzlich ein ziemlich teures Buch in Händen. Der erste Reflex war, “warten bis es die Paperback Variante gibt, es liegen eh noch genug ungelesene Seiten zu Hause herum”. Da war dann plötzlich die Paradoxie: Was solls, das Buch kostet einen Bruchteil dessen was ich letztes Jahr verloren habe und schneller als man Lehman Brothers sagen kann habe ich es gekauft.
Mask hat mir auf meinen letzten Blog Eintrag WriteRoom empfohlen. Eine supersimple Textverarbeitung die automatisch im Fullscreen Modus startet und so alles was leicht ablenken kann ausblendet. Leider gibts die Software nur für Apple.
Um den Apple Evangelisten Recht zu geben, dass die ganze Windows-Welt nur eine schlechte Kopie des Apple Universums ist, gibt es einen Klon von WriteRoom für Windows. Das Programm heißt Dark Room, ist gratis und nur 136kb groß. Auch hier sitzt man bei Programmstart vor einem schwarzen Bildschirm mit einem grün blinkenden Cursor. Alle die alt genug sind, werden sich sofort an ihre Textverarbeitungserlebnisse in den 1980ern erinnern.
Wer kein spezielles Programm ausführen will oder nicht auf die Errungenschaften der Textverarbeitungstechnik der letzten 25 Jahre verzichten will, kann sich nach dieser Anleitung auch sein Word entsprechend tweaken.