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Max Kothbauer, Vorsitzender des Universitätsrates, schreibt einen Kommentar der Anderen wie super die Universitäten in den letzten Jahren reformiert wurden und zeigt dabei, unbeabsichtigt aber eindrucksvoll, wie kaputt dieses System ist. Wie so mancher Kommentar in letzter Zeit, versuche ich mal zur Ehrenrettung von Herrn Kothbauer auszulegen,  dient wohl auch diese Märchenerzählung mehr der Kommunikation nach Innen als nach Aussen.

Im vorletzten Blogposting habe ich über die zunehmende Radikalisierung der Sprache (und folglich Ansichten) in den großen Österreichischen Onlineforen geschrieben.

Bei praktisch jedem Thema dreht es sich früher als später um Migration, Zuwanderung und Ausländer. Eine “Ausländer raus” Haltung versuchen die wenigsten noch halbwegs zu verschleiern. Das Thema ist dabei zweitrangig. Anti-Ausländer Stimmung kann man scheinbar bei jedem Thema machen.

Die aktuelle Wertestudie (repräsentativ, 1500 Befragte) gießt nun Öl in meine Beobachtung. Der Standard titelt:

Studie: Sehnsucht nach dem “starken Mann”
Autoritätsgläubig statt liberal, ausländerfeindlich statt weltoffen – Die aktuelle Wertestudie belegt nun, dass genau diese Einstellungen in der Bevölkerung sogar angestiegen sind

Ich möchte die Ergebnisse nicht wiederkäuen. Sie sind zu deprimierend und machen mich zumindest für den Moment sprachlos. Genaueres kann man in dem Artikel und der Infografik nachlesen.

“Wo strenge Autorität ist, dort ist auch Gerechtigkeit.”

Das klingt wie eine provokative, schnell aus dem Ärmel geschüttelte Aussage aus unserer Internetrat Präsentation beim Barcamp Wien am Samstag, wohl in der Hoffnung getätigt, dass man uns dafür vor die Türe setzt – und dem stimmen 27% der ÖsterreicherInnen zu.

Was kommt als nächstes zurück? Die g’sunde Watschn und der Rohrstock als Insignien der strengen Autorität und damit zur Stärkung der Gerechtigkeit?

EU-Wahl Kommentar

Peter Ulram hat in der Presse einen unaufgeregten, cleveren Kommentar zur EU-Wahl geschrieben.

Xenophobe Internetforen

Sich im Internet herumzutreiben macht mir in letzter Zeit immer weniger Vergnügen. In den Foren der großen österr. Onlinemedien ist im Zuge des EU-Wahlkampfes eine Xenophobie ausgebrochen die ich nur mehr als ekelhaft bezeichnen kann. Bei praktisch jedem Thema dreht es sich früher als später um Migration, Zuwanderung und Ausländer. Eine “Ausländer raus” Haltung versuchen die wenigsten noch halbwegs zu verschleiern. Das Thema ist dabei zweitrangig. Anti-Ausländer Stimmung kann man scheinbar bei jedem Thema machen.

So dreht sich die Foren-Diskussion über die Nabucco Ölpipeline Verhandlungen weitgehend um die Türkei und wie sich diese mit der Pipeline die EU zum Untertanen macht.

super sache!!!!
sonst kommt man ja hierzulande so selten dazu, mit dem eigenen geld atombomben zu finanzieren. da merkt man richtig: wir sind wieder wer…!!!

Dann ist der Westen in türkischer Hand! Wenn jemand glaubt, dass sich die Türkei an Abmachungen hält dann ist sein Geisteszustand zu hinterfragen! Aber diese verblödeten EU-Politiker tun alles, um Steuergeld zu verschwenden!

Diese beiden Zitate sind übrigens aus den Foren zweier sog. Qualitätszeitungen. Gut, für ihre Leser können die beiden wenig, aber es zeigt, dass der ausländerfeindliche Diskurs schon lange nicht mehr nur im Forum der Kronen Zeitung zu Hause ist. Diese sah sich im Rahmen der Berichterstattung zu den Sikh Attentat im Wiener Gebetshaus der Ravi Dassi sogar gezwungen einen Thread komplett zu schließen bzw zu löschen weil praktisch jedes Posting anzeigenswürdig gewesen wäre. Und wenn man die Diskussionkultur in den Krone Foren kennt, kann man sich in etwa vorstellen wie unterirdisch die Diskussion gewesen sein muss.

Ich habe mir in den letzen Wochen auch viel mit dem Thema Kindergarten, Gratiskindergarten, verpflichtendes Kindergartenjahr beschäftigt. Hier geht es noch wilder ab. Und zwar in allen Medien. Gemeinsamer Tenor: Den Gratiskindergarten in Wien gibts eh nur damit die Ausländer (v.a. Türken) mehr Freizeit haben (vielleicht um besser Einbrüche verüben zu können), weil die deutsche Sprache lernen die Kinder eh nicht, weil zu Hause ja wiederum nur türkisch gesprochen wird. Die Mütter bzw Eltern wollen gar nicht, dass die Kinder Deutsch lernen, weil sie dann nicht mit den Eltern zurück gehen wollen. Das verpflichtende Kindergartenjahr ist da, damit die
einheimischen Kinder noch vor der Schule türkisch, serbisch und kroatisch lernen und damit die Kinder noch früher der Grünen (sic!) Propaganda unterzogen werden.

Generell wissen wir ja alle, dass den Ausländern alles hinten rein geschoben wird, während die braven Österreicher leiden müssen. Deshalb muss sich auch jener Mann der der Familie Zogaj gratis eine Wohnung in seinem Haus zur Vewrfügung gestellt hat auf derstandard.at beschimpfen lassen, warum er dass nicht schon vorher einer bedürftigen österreichischen Familie angeboten hat. Prompt, kommt auch gleich die Erklärung dazu:

er hätt die wohnung aber schon vorher,
einer finanziell angeschlagenen familie oder alleinerziehnder mutter mit kind/er zur verfügung stellen können.

asylanten mit rehaugen machen sich wohl besser in der presse…

Tritt man den Hasspredigern und Simplifizierungskünstlern entgegen, können sie zwar nicht definieren was für sie einen echten Inländer ausmacht, sie fühlen sich aber sofort von der Grünen Gutmenschenmeinungsmafia in diesem Land ausgegrenzt und verfolgt. Insgesamt dürfte es für diesen Typ Mensch hauptsächlich einen Grund für alles Übel geben: die Grünen, denn die haben ganz alleine die Einwanderungspolitik Österreichs in den letzten Jahren bestimmt. Sie haben es geschafft, in den letzten Jahren, gegen den Willen der Österreicher, aus Österreich ein unehrenwertes Multikulti-Land gemacht zu haben.

Dieser Typus beginnt seine Postings gerne mit dem Satz: Was ist nur aus meinem schönen / ehrenwerten / sicheren Österreich geworden. Dann kommt meistens eine Gruselstory aus H.C.s Märchenbuch um dann zu schließen: Wenn es so weitergeht wandere ich aus; oder: deswegen bin ich vor Jahren ausgewandert. Schön blöd, wenn man jetzt so ein Ausländer im Ausland ist und sich noch immer über eine Heimat definiert die offensichtlich schon vor Jahren keine wirkliche Heimat mehr war. Heimatlos – offensichtlich (nicht nur für Ausländer) ein unangenehmes Gefühl.

Aber, ausgerechnet die Grünen die weit weg von jeglicher Regierungsbeteiligung sind (das vergessen die Blauen und Orangen sehr gerne), bei der EU-Wahl wohl noch um wenigstens ein Mandat zittern müssen und die sich damit sehr schwer tun, wenn man sie unterstützen will. Nun gut, von Menschen die posten, dass es in Österreich 80% Ausländer gibt die die Inländer unterdrücken, darf man sich keinen all zu klaren Blick auf die Realität erwarten.

Ich hoffe, dass mit der EU-Wahl heute dieser Wahnsinn wieder zurück geht. Meiner Meinung nach geht es hier nicht um parteipolitisch organisierte Kampfposter, die werden schon wieder verschwinden, sondern um eine allgemeine Tendenz in der öffentlichen Meinung. Meinungsfreiheit ist nämlich keine Ableitung der Funktion Hirn-abschalten.

Jana hat den interessanten Vortrag (Facebook, YouTube, ARGs und die Avantgarde als Lebenspraxis) von Jay D. Bolter am Thewi Institut gestern, schon im Blog verlinkt. Zahlt sich wirklich aus da dran zu bleiben. Passt wunderbar dazu, dass ich heute beim Facultas Remediation um wohlfeile 10 Euro im Abverkauf bekommen habe.

Da stören eine Handvoll absolut dummer jugendlicher Neonazis mit “Heil Hitler” Rufen die Gedenkfeier im KZ Ebensee, werden am nächsten Tag geschnappt und die österreichische Innenministerin hat vor allem zu sagen dass die gegenseitigen Provokationen im Vormarsch sind.

Fekter analysierte die grundsätzliche Situation: Es seien die gegenseitigen Provokationen im Vormarsch. Dieses Phänomen sei nicht gut. Sie sage klar allen, die glauben, provokante Taten setzen zu müssen, dies werde von der Rechtsordnung nicht goutiert. Das gelte auch für gewaltbereite Provokationen.

Ich hoffe Fekter meint mit gegenseitigen Provokationen nicht, dass die Gedenkfeier selbst eine Provokation dargestellt bzw. dass die Überlebenden des KZ bzw. die Besucher der Veranstaltung eine Provokation sind. Eigentlich schon traurig dass man das dazusagen muss. Fekter spielt wohl auf den Vizerektor der Linzer Kunstuniversität an der am 1. Mai am Rande einer Demo der KPÖ verhaftet wurde. Rektoren sind ja bekannt für ihre Gewaltbereitschaft. Oder meint sie gar ihre eignen Polizisten die bei eben dieser Demo nicht zimperlich gewesen sein sollen.

Augenzeugen sprechen auch von einzelnen massiven Übergriffen von Polizisten durch die Verwendung des Schlagstockes. „Da wurde von manchen Beamten regelrecht sinnlos auf einige Teilnehmer drauflosgeprügelt.“

Die Frau ist jenseitig und nach diesem verharmlosenden Vergleich, eingerechnet dass sie die Innenministerin eines Rechtstaates ist, eigentlich auch einmal mehr Reif für den Rücktritt. Ich weiß, dass wird nicht passieren, weil Österreich ist anders und Rechts immer besser als Links. Einfach nur zum Kotzen!

Copyright und Patentrechte werden verlängert; die Buchindustrie läuft die Wände hoch ob Googles Digitalisierungsbestrebungen; Verlage wollen für die Publikation die uneingeschränkten, ewigen Verwertungsrechte; Zeitungen und Zeitschriften wettern gegen die angebliche “alles gratis” Mentalität im Web.

Zwei Texte die helfen in all dem drunter und drüber ein wenig den Überblick zu behalten und auch hinter die Kulissen blicken:
Robert Darnton: Im Besitz des Wissens. Von der Gelehrtenrepublik des 18. Jahrhunderts zum digitalen Google-Monopol.
Armin Medosch:  “Die Zeit” und die “intellektuelle Finsternis”

Laut schwedischen Medien ist der Richter der die Pirate Bay Jungs verknackt hat aktives Mitglied in mehreren “schützt das Copyright” Initiativen, die zum Teil auch der entsprechenden Industrie Nahe stehen.

The copyright industry likes to have the outcome of processes clear before engaging them so it’s perhaps unsurprising that SR today revealed that the judge Tomas Norström is in league with it on many fronts. The judge has several engagements – together with the prosecution lawyers for the movie and music industries.

Schaut ganz nach einem Interessenskonflikt aus und die Pirate Bay Anhänger rufen schon nach einem retrail.

Am 18. März habe ich hier über demonstrierende Schüler und das offensichtliche gutheißen dessen durch Lehrer geschrieben:

Jetzt kann man sagen: Aha, auch Schuldirektoren sind lernfähig und anerkennen das Recht auf freie Meinungsbildung und -äußerung. Oder man sieht es (realistischer) und erkennt, dass Entscheidungen wann Schüler wo und wie an Demokratie teilnehmen dürfen, sehr wohl von Eigeninteressen der Entscheider getrieben sind und dass eine Demo für die Interessen der Lehrer unterstützenswerter ist, als das Auftreten gegen Studiengebühren und andere soziale Themen.

Aktuell greift ein Standard Artikel (Schüler “zur Demo verdonnert”) dieses Thema wieder auf. Diesmal sollen jedoch die Schüler quasi gezwungen worden sein für die Lehrerschaft zu demonstrieren.

Dieser Tage aber bekamen einige Eltern von ihren Kindern den Satz zu hören: “Ich will keine Streikbrecherin sein, darum muss ich mitdemonstrieren.” Mit den Lehrerinnen und Lehrern, gegen die von Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) geplante Erhöhung der Lehrverpflichtung.

Gerade diese vermeintlichen “Nebenschauplätze” zeigen für mich, dass Bildung noch immer das politischste aller angeblich unpolitischen Themen ist.

Magna Cum Lousy

Die Wirtschaftskrise und vor allem der Umgang mit Bonuszahlungen ist für viele Kommentatoren auch eine Krise des elitären US-Ausbildungssystems. Der Ivy League wird vorgeworfen, dass sie hauptsächlich Gier, Egoismus und Asozialität bei ihren Studierenden gefördert haben und nicht vorausschauendes planen und Verantwortung.

Soweit ich das mitverfolgt habe bemühen sich die Elite Unis seit dem dot com bust und den Accounting-Skandalen um Enron und Worldcom redlich nachhaltigkeit und Verantwortung in ihre Curricula aufzunehmen. Wie das bei Veränderungen im Bildunssystem aber nun mal so ist, dauert es eine zeitlang bis die AbsolventInnen in der Wirtschaft angekommen sind und noch etwas länger bis die dort dann auch etwas verändern können. Genug Zeit um auch wieder viel aus den CSR Vorlesungen zu vergessen.

Diejenigen die für die aktuelle Krise mitverantwortlich sind haben jedenfalls noch ganz andere Curricula absolviert als die Anführer von morgen.

Magna Cum Lousy bringt eine feine Slideshow, wer der ehemaligen Masters of the Universe wo die Schulbank gedrückt hat. Erschreckend wie klein die Powernetzwerke der “größten Demokratie” sind.

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