Mehr Diversity
18. März 2009 von Peter
Migration, nicht nur in Österreich ein heißes Thema. Mit der weltweiten Wirtschaftskrise wird es sicher nicht auskühlen. (Ganz abgesehen von den anstehenden Wahlen hierzulande.) Auch in den USA, dem Einwanderungsland schlechthin, bricht schön langsam eine Diskussion vom Zaun, wie das mit qualifizierter Einwanderung so aussieht. Auch in dieser Diskussion schlägt schon die Wirtschaftskrise durch; einerseits durch nationalistische Argumentation, dass in wirtschaftlichen Krisen vorerst mal Jobs für die Inländer geschaffen werden müssen (klingt bekannt) und andererseits durch erste Bedenken, dass es in nächster Zeit zu einem unangenehmen Brain Drain kommen könnte.
Zur nationalistischen Argumentation muss nicht viel gesagt werden, ausser vielleicht, dass hier auch strukturelle Probleme und Machtmissbrauch bei der Visa-Vergabe in den letzten Jahren aktuell an die Oberfläche gespült werden. Das H-1B Visa Programm wurde ursprünglich ins Leben gerufen, damit amerikanische Unternehmen hochqualifizierte ArbeiterInnen ins Land “importieren” können, um Positionen zu besetzten die nicht mit “einheimischen” Fachkräften besetzt werden können. In den letzten Jahren wurde dieses System, so der aktuelle Vorwurf, pervertiert, weil vor allem ausländische Outsourcing-Unternehmen Mitarbeiter in die USA geschickt haben um sie dort auszubilden damit sie dann den Job eines Amerikaners (whatever that is) übernehmen zu lassen. Die Top 4 Unternehmen die 2008 Arbeitsvisa bekommen haben sind alle aus Indien und vor allem für das Outsourcing von Dienstleistungen bekannt: Infosys Technologies, Wipro, Satyam und Tata Consulting.
Interessanter finde ich die Diskussion über einen möglichen Brain Drain durch das Abwandern von Immigranten, deren amerikanischer Traum entweder geplatzt ist oder die einfach erkennen, dass es zu Hause, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, schöner und sicherer ist. Interessante Zahlen bringt Vivek Wadhwa von der Duke University. Er hat, mit einigen KollegInnen, 1203 indische und chinesische Immigranten befragt, die er via LinkedIn gefunden hat, die die USA wieder verlassen haben.
The vast majority of returnees, we found, are relatively young—30 on average for Indians, 33 for Chinese. Their degrees are in management, technology, and science. Among the Chinese, 51% have MAs, 41% PhDs. Among Indians, 66% hold MAs and 21% are PhDs. These figures put the returnees in the U.S. population’s educational top tier—precisely the kind of people who can make the greatest contribution to innovation and growth. And it isn’t just new immigrants who are returning home, we learned. Some 30% of the respondents had permanent resident status or were U.S. citizens.
Was sind die Gründe für die Rückkehr? 84% der Chinesen und 69% der Inder geben bessere Berufschancen an. 10% der Inder hatten in den USA eine gehobene Managementfunktion. Dieser Wert stieg in der Heimat auf 44% an. Bei den Chinesen stieg der Wert von 9% auf 36%. Diese besseren Berufschancen heißen aber nicht automatisch mehr Geld, sondern im Gegenteil, weniger Geld dafür aber höhere Lebensqualität in einer bekannten Umgebung und Kultur. 67% der Chinesen und 80% der Inder geben “better family values at home” als wichtigen Rückkehrgrund an.
Um jetzt mal mit der Kurzsichtigkeit eines H.C. und seiner Freunde gefragt: Eben, die kommen zu uns, lassen sich ausbilden, gratis und auf unsere Kosten bzw verdienen sich ihr Studium mit Drogenhandel und dann hauen sie wieder ab. Warum sollten wir uns also um die überhaupt kümmern?
Because immigrants are critical to our long-term economic health. Although they represent just 12% of the U.S. population, they have started 52% of Silicon Valley’s tech companies and contributed to more than 25% of U.S. global patents. They make up 24% of science and engineering workers with bachelor’s degrees and 47% of those with PhDs.
Von solchen Zahlen ist Österreich sicherlich noch weit entfernt – umso mehr ein Grund sich für mehr Diversity stark zu machen!
