Print immer skeptischer bzgl Internet?
2. März 2009 von Peter

Max hat mich an Hand des aktuellen Spiegels auf eine Tendenz in der Medienlandschaft aufmerksam gemacht, die durchaus beforschenswert wäre.
Nachdem das Internet angeblich schon die Musikindustrie zerstört hat, ist es jetzt angeblich drauf und dran die Printmedienindustrie zu zerstören. Die New York Times braucht einen 400 Mio. Dollar bailout durch einen – Ironie des Schicksals – mexikanischen Telekommunikationsmilliardär, zahlreiche regionale und überregionale (US-) Tageszeitungen stehen zum Verkauf und etablierte Magazine verlieren zumindest ihre lokalisierten Schwestern oder gehen ganz vom Markt. Als Grund wird oft die schwierige wirtschaftliche Situation zitiert, in die man gekommen ist, weil im Internet ja alles gratis ist und sich bezahlte Informationsangebote noch weniger rechnen als werbefinanzierte Modelle.
Ganz offensichtlich wollen sich die Printmedien das aber nicht so einfach gefallen lassen und schlagen in letzter Zeit mit internetkritischen Storys zurück. Computerspiele sind plötzlich wieder hauptsächlich gesundheitsschädlich und führen zu Abhängigkeit und körperlichen Deformationen, Facebook ist sowieso die Hölle der Belanglosigkeit und Himmel der Spanner, Twitter ist der Ausfluss einer ADHS Gesellschaft die nicht mehr als 140 Zeichen kongruent denken kann und Blogger sind Egomanen ohne Ahnung vom Journalismus. (BTW: Ich kenne viele Blogger, aber keiner von denen würde sich als Journalist bezeichnen.)
Der Grund warum Medienkonzerne Probleme haben, liegt meiner Ansicht nach weniger in ihrem Unvermögen eine Website profitabel zu führen, als viel mehr darin, dass sie ihr altes Business nicht mehr profitabel führen können und dabei ist das Internet nur einer von vielen Faktoren – bei dem aber am leichtesten und ohne Selbstreflexion anzusetzen ist.
Vielleicht hat ja wer Lust sich mal genauer anzusehen wie sich die Artikel zum Internet in den Printmedien in ihrer Attitude im letzten Jahr verändert haben. Wäre sicher eine nette Bakk-Arbeit; und mit einem umfassenderen Untersuchungsdesign wohl auch eine gute Diplomarbeit.

Habe es auf meine Liste mit möglichen Bakk-Themen geschrieben. Danke.
Printmedien verdienen doch schon lange nichts mehr am Verkaufspreis, sonder an der Werbung im Produkt… Wieso fällt ihnen das dann so schwer im Internet umzusetzen…
Mir fällt da der Vergleich zu den Schreibmaschinen herstellern ein, die den Computer nie als Konkurrenz gesehen haben und plötzlich überascht wurden.
@Jana: Weil im Internet die Werbepreise deutlich niedriger sind als im Printbereich. Weil Seiten wie die NYT oder auch derstandard einen ordentlichen Overhead produzieren. Weil der Journalismus in einer Krise steckt. Weil Leute ihre Info weniger aus Zeitungen beziehen…
Möglich dass die Printmedien durch die Vermischung von Werbung und Inhalt in den Zeitungen bzw. durch abschreiben von Pressemitteilungen vielleicht zu Arrogant mit ihren KundInnen, den LeserInnen umgegangen sind? Frei nach dem Motto: “Die fressen eh alles, Werbekunden, her mit dem Geld!” und das gleiche jetzt im Internet auch versuchen und merken das es hier nicht funktioniert da geantwortet werden kann?
Es ist z.B. immer faszinierend wie schnell ein schlechter Artikel im Online-Standard als solcher entlarvt wird und von denn PosterInnnen diskutiert wird.
Ich würde mich über Qualitätsjournalismus in Österreich freuen, aber das ist großteils wohl eine Utopie