Diplomatie
4. Januar 2009 von Peter
Das erste Posting 2009 und es geht um Krieg. Das kann ja jetzt nur mehr besser werden!
Jaja, Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung; und es ist auch ganz klar warum das PolitikerInnen andauernd (schau mal ein paar Stunden CNN, n-tv, n24) betonen. Es ist die diplomatischste Antwort die man geben kann; vollkommen abstrakt, vollkommen kontextlos und damit auf dieser abstrakten und kontextlosen Ebene praktisch nicht angreifbar, gültig für beide Konfliktparteien und nicht falsch zu verstehen – auch nicht in einem 20 Sekunden Tv-Blip.
Ich schließe mich voll Fritz B. Simons Analyse an, dass Krieg führen (heutzutage) weniger eine Frage der Moral, denn der Intelligenz ist.
Wer zur Gewalt greift, beweist damit, dass er über keine Macht verfügt. Gewaltanwendung ist der hilflose Versuch, sie zu gewinnen. Das gilt für die Raketen schießende Hamas genauso wie für Israel. Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied. Hamas hat durch Gewaltanwendung einen Gewinn: die Infragestellung der israelischen Macht. Das ist eine Veränderung im Vergleich zur vollkommenen eigenen Machtlosigkeit, welches die Alternative wäre.
Bei Israel ist das anders. Wenn Israel der Hamas den totalen Krieg erklärt, so begibt es sich auf die gleiche Ebene mit der Hamas. Der Effekt eines jeden (!) Krieges ist die Symmetrie der kämpfenden Parteien. Solange der Krieg nicht entschieden ist, gibt es keine Über- oder Unterordnungsverhältnisse. Das ist der Grund, warum immer derjenige, der sich unterdrückt fühlt, etwas durch einen Krieg zu gewinnen hat (- die Symmetrie), während der Stärkere etwas zu verlieren hat.
Seiner Analyse, die noch ein paar Absätze mehr umfasst, wäre eigentlich kaum mehr etwas hinzuzufügen. Ausser vielleicht, dass sich mir an diesem Beispiel die Frage stellt was es 2009 bedeutet einen Krieg zu gewinnen? Den Gegner auslöschen? Wirtschaftlich? Personell? Landesgrenzen wieder herstellen / neu ziehen? Bodenschätze sichern? Zugang zum Meer / zu Infrastruktur bekommen? Eine den eigenen Interessen passende Regierung installieren? Alle Ressourcen mitnehmen und den Rest verwüsten? Und was davon hat noch etwas mit Selbstverteidigung zu tun?

Vielleicht sollte man der Selbstverteidigung immer noch ein “präventiv” vorspannen, damit die Lüge nicht mehr ganz so schnell davongaloppiert…
Unter “präventiver Selbstverteidigung” kann man sich dann in etwa das vorstellen, was Israel im Augenblick praktiziert.
@ mask: Dieser Erweiterung schließe ich mich gerne an. Viele Freunde macht sich Israel mit diesem konsequenten Vorgehen auch gegen ZivilistInnen und Zivileinrichtungen sicher nicht. Mittlerweile stehen wir bei über 500 Toten aber das geht sicher noch in die Höhe wenn erst mal Hilfsorganisationen ins Kriegsgebiet vordringen dürfen.
Anfangs fand ich den Vergleich Simon’s etwas heftig aber mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher: “Niemand wird auf Dauer fragen, wer denn angefangen hat, wenn ein Mensch dem anderen auf die Füße tritt und der – zur Revanche – nicht nur den Fußtreter, sondern auch noch seine Familie und die Nachbarn erschlägt.”