Content Engines, Offshoring und das Volksfest in Hartberg
22. Dezember 2008 von Peter
Journalismus quo vadis? frag ich mich ob einiger Meldungen die ich jetzt in einem Aufwischen gelesen habe:
Die New York Times berichtet vom Herausgeber einer lokalen Zeitung in Pasadena, Kalifornien deren “Redakteure” irgendwo in Indien sitzen und ihre Artikel basierend auf Nachrichtenagenturen und Webcam Übertragungen schreiben. Andere Zeitungsherausgeber haben große Teile der Preproduction outgesourced und auch Reuters und der San Francisco Chronicle sind auch schon fröhliche offshorer.
“I pay per piece, just the way it was in the garment business,” he says. “A thousand words pays $7.50.”
Artikel zwei habe ich im Standard gefunden; ist ein Bericht von einer Klausur bei der Carlo Imboden erklärt, dass Printprodukte in Zukunft wieder lange, ausführliche Artikel bringen werden müssen, weil sich die Leute die kurzen Infohappen in real time Online und am Handy lesen werden.
Ebenfalls in diesem Artikel und inhaltlich ans Offshoring anknüpfend ist die Ankündigung von Horst Pirker, den Styria Verlag rund um Content Engines neu zu strukturieren.
Die Inhalte kommen zentriert aus der “Content Engine”, einer Art Multimedia-Datenbank, die von externen Informationsquellen gespeist wird. Von dieser Infoplattform, die von Journalisten verwaltet wird, gehen die Nachrichten an die Sektoren Papier, Online, TV oder Mobil weiter.
In Zukunft wird also ein Mensch mit Deutschkenntnissen in Indien sitzen – Chinesen wären billiger, geht aber nicht weil die ja kaum etwas im Internet ansurfen können – via Webstream das Volksfest im finanzmaroden Hartberg beobachten und mit seinen Beobachtungen eine Content Engine füttern. Und wir lesen diese Infohappen dann am nächsten Tag im Gratis-Blatt in der Bim oder als Infoalert am iphone. Und neben diesem outgesourcten journalistischen Proletariat und ihren lokalen Nachrichtenfaktor-Bürokraten, wird es dann die Edelfedern geben die mir dann im Wochenmagazin ausführlich und literarisch ambitioniert erklären werden, warum der Fleischhauer-Koarl am besagten Volksfest heuer 1/3 weniger Grillhendln verkauft hat.
Ich kann’s gar nicht erwarten!

… das liegt an der besagten Finanzmarodität: der Bürgermeister hat bis dahin Einkaufssperre und darf keine Zeltrunden Grillhenderl mehr spendiern beim Frühschoppen.
(Kommt Frühschoppen eigentlich von “früh shoppen”, im Sinne von einkaufen, oder “früh schoppen” im Sinne von Essen einschneiden…?)