Wo sich Nixon und Obama treffen
25. November 2008 von Peter
Ich habe gerade “Leaders” (1982) von Richard Nixon zu lesen begonnen. Tricky Dick erstellt darin mit seinem Insiderwissen, Profile von sechs Anführern (Churchill, deGaulle, MacArthur, Adenauer, Khrushchev, Enlai) und ihrer Umwelt. Insgesamt schreibt er über viel mehr Personen. Im Vorwort erklärt er warum er gerade diese politischen Anführer ausgewählt hat.
Erstens:
I had to have known them – which did not eliminate many, since I had known every major postwar leader except Stalin.
Nunja, humbleness gehörte noch nie zu Nixons hervorstechenden Charaktereigenschaften.
Zweitens:
Just this: While I never researched the point, I would be willing to bet that none of the 22 leaders who receive detailed attention in the book ever commissioned a public opinion poll. Today, leaders are often judged by their ability to “gauge the national mood” or by their instincts for “avoiding no-win issues”. Most of the individuals profiled in Leaders stood out because of their ability to change the national mood or to take an unpopular issue and make it popular. As believers in democracy we are used to thinking that leaders are supposed to follow the national will. But even in a democracy, a great leader is one who forges a national purpose in the face of great crisis or challenges.
Dieser zweite Punkt hat einiges interessantes. Ganz offensichtlich hat auch schon der Republikaner Nixon erkannt, dass change ungeheuer motivieren kann. Nachdem Obama bekanntlich gerne Politikerbios liest und dieses Buch von Nixon in sehr vielen Leadership Büchern genannt und zitiert wird, würde es mich nicht überraschen wenn es auch schon mal durch seine Hände ging. Damit will ich aber nicht behaupten, dass Obamas Claim so zu Stande kam.
Damit komme ich nämlich zum zweiten Punkt. Obamas Claim ging sicherlich durch hunderte Focus Gruppen und wurde in noch mehr public opinion polls geschüttelt, gerührt und auf den Kopf gestellt. Ohne dem geht es heute sicherlich nicht mehr. Frank Luntz hat dazu ein aufschlußreiches Buch geschrieben.
Im Endeffekt bringen Umfragen immer nur Antworten aber nie eine Antwort. Trotzdem hat Nixon recht, Politik die sich nur mehr an Umfragen orientiert ist zwangsweise populistisch und hat ihren Führungsanspruch aufgegeben. Mal schauen, was wir nächstes Jahr hier und jenseits des Atlantik beobachten werden können.
