Finanzmarktkrise ist keine Naturkatastrophe
12. Oktober 2008 von Peter
Im Zuge der aktuellen Finanzmarktkrise werden andauernd Metaphern aus dem Bereich der Naturkatastrophen verwendet. In Österreich wechselt man von der Sturmwarnung zur Orkanwarnung während man in den USA schon längst beim Tsunami angekommen ist. Das ist vollkommener Blödsinn und zumindest ausgesprochen taktlos gegenüber all jenen die in echten Naturkatastrophen getötet oder zu Schaden gekommen sind. Die Finanzmärkte haben nichts mit der Natur gemein. Sie sind Produkte unserer Kultur und nicht schon immer so da und unveränderbar. Finanzmärkte gehorchen im großen und ganzen Regeln die Menschen aufgestellt haben.
Eine Naturkatastrophe wie ein Erdbeben oder ein Orkan ist nicht verhinderbar, folgt nicht irgendwelchen Regeln die zb die UNO aufgestellt hat und läßt sich in seinem Ablauf praktisch nicht verändern. Da könnte sich die EU oder die G7 noch so einig und entschlossen präsentieren, einen Orkan wird niemand verhindern können. Nicht einmal den Kurs können wir manipulieren.
Diese Metapher ist vollkommen irreführend, darin aber schon wieder entlarvend weil, allen Optimismus- und Durchhalteparolen zum Trotz, scheinbar können wir nichts dagegen tun. Seit Wochen werden die unterschiedlichsten Maßnahmen getätigt, unvorstellbare Milliardenbeträge mit denen man wahrscheinlich den Mars urbar machen könnte aber die Märkte rasseln trotzdem in den Keller.
Ganz offensichtlich verstehen wir mehr von (göttlichen) Orkanen und Erdbeben, als von den (menschlichen) Finanzmärkten. Verkehrte Welt.
PS: Systemisch betrachtet sehe ich hier ein typisches Delay-Problem.

Ja, definitiv ein Delay-Problem…. aber wenn ich mir die Konsequenz der “Hilfszahlungenen” anschaue, dann bin ich mir nicht so sicher, ob der Finanzmarkt tatsächlich durchschaubaren Regeln gehorcht.