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18. März 2008 von Peter
Der Dalai Lama ist also ein gewaltbereiter Revolutionsführer der die Einheit Chinas gefährdet. Jenes China, dass sich nicht sehr viel um Copyrights und Vertragssicherheiten kümmert wie zahllose Beispiele zeigen. Um Menschenrechte kümmert man sich auch nicht sonderlich viel. Nicht so wichtig, schließlich musste man sich darum kümmern die Olympischen Spiele 2008 austragen zu dürfen. Bis vor kurzem dachte ich, dass allen Menschen auf dieser Welt klar ist, dass dies eine (wirtschafts-) politische Entscheidung war.
Dummerweise wurden in Tibet alleine in den letzten Tagen einige hundert Mönche und Zivilisten getötet. Jetzt wäre wieder einmal der Zeitpunkt wo die Politik Konsequenzen aus ihren bisherigen Handlungen ziehen sollte. Einige Unterstützer Tibets stellen einen möglichen Boykott der Spiele in den Raum. IOC-Präsident Jacques Rogge hält dass für den absolut falschen Weg, weil man damit ja die Athleten bestrafen würde. Ah eh, es geht um die Sportler und nicht um die Kohle. Demonstranten abschlachten und betende Mönche zur Al Kaida Chinas zu stilisieren ist aber vollkommen ok – scheinbar auch für den österr. Sportstaatssekretär Lopatka der sich zwar gegen einen Boykott ausspricht zum Thema Tibet aber sehr zahnlos bleibt:
“Das von China für die Sommerspiele gewählte Motto ,One world – one dream’ wird nur dann Wirklichkeit, wenn auch in Tibet die Menschenrechte geachtet werden.”
Apropos blödes Motto: Die bald mal stattfindende Euro 08 macht ihrem Wahlspruch “expect emotions” alle Ehre – vor allem als psychologisches Experiment dass Emotionen durchaus auch negativ sein können. Vor allem im suddernden Österreich. Einmal sind es Vertreter der Exekutive die aufzeigen weil es noch immer keine Quartiere für die helfenden Polizisten aus den Bundesländern gibt. Dann schreien die Ärzte auf weil die Notfallpläne nicht passen und zwischendurch merken Beobachter aus Deutschland, dass in den Austragungsstädten noch sehr viel sehr suboptimal ist.
Aktuelles Beispiel dafür dass die Euro 08 in punkto Beliebtheit mit Gusi und seinem Kindergarten um die goldene Zitrone rittert: das Stadion Einkaufscenter wird aus Sicherheitsgründen an den Spieltagen bereits um 14.00 Uhr geschlossen. Diese Entscheidung wurde in Verhandlungen gemeinsam mit der UEFA und der Stadt Wien getroffen, erklärt die Center-Leiterin Katharina Kammerer im Standard. Weiters muss das Einkaufscenter alle Aussenwerbungen abdecken, weil rund um die Stadien nur offizielle Sponsoren werben dürfen
Nun ist es mir egal ob das Center offen hat oder nicht und ich schätze mal, dass es ganz vielen Menschen genau so geht. Trotzdem finden sich über 30 Kommentare unter dem Artikel und davon ist kein einziger von freudigen Emotionen pro Euro 08 geprägt. Eher das Gegenteil:
hoffentlich ist diese drecks-em bald vorbei…
Es bleibt aber nicht bei pauschaler Kritik sondern es entwickelt sich eine Diskussion woher die UEFA das Recht hat, die Aussenwerbung zu bestimmen und in weiterer Folge welche Würstel in den Hot Dog kommen.
genau das habe ich mich auch gefragt…wie kommt man als firmeninahber dazu sich sowas gefallen zu lassen. das sind zustände die man sonst nur in china oder kuba vermuten würde, aber nein, das passiert alles mitten in europa, wo anscheinend organisationen wie die uefa und verantwortlichen der stadt wien diktatorisches vorgehen wieder salonfähig machen…
Die Idee den Sport quasi als Parallelwelt zu positionieren wie es das IOC, die UEFA, FIFA und ähnliche Konglomerate versuchen, mag ja schön und gut sein aber dann muss man auch konsequent sein und muss seine Entscheidungen nach rein den Sport nützenden Kriterien fällen. Das geht natürlich nicht, wie einige (Bestechungs-)Skandale verschiedener Komiteemitglieder gezeigt haben. Von der Vergabe der nächsten olympischen Winterspiele an das russische Sotchi und dem instantan dort einsetzenden unfreiwilligen Umsiedelungs- und Enteignungsprozess will ich jetzt gar nicht anfangen. Die rigorose Vermarktung ist da nur die Spitze eines Eisberges der zeigt, dass es diese Parallelwelt nicht gibt.
Die Herren Rogge, Wallner, Platini, Jungwirth, Lopatka etc. pp. wären gut beraten nicht dauernd zu mauern und Tatsachen zu verdrehen. Ein Poster bringt es auf den Punkt wenn er Lopatka zitiert und kommentiert:
“Der Sport und die Olympische Bewegung müssen weiter darauf achten, dass sie nicht für politische Zwecke missbraucht werden.” sagte der POLITIKER!
Wenn es nur um den Sport geht ist es aus Zuseher-/Kundensicht nicht nachvollziehbar warum es nur einen Burgerbrater, nur einen Softdrinkhersteller, nur eine Biermarke, nur einen Sportausstatter, nur einen TV-Sender etc. geben darf. Weil es sonst nicht finanzierbar wäre? Weil es zu aufwändig wäre? Dann kümmert man sich eben wieder mehr um den Sport und weniger um Markenrechte, Merchandising, Branding, … Konzentration auf die Kernkompetenzen nennt das die BWL. Moment, was waren noch schnell die Kernkompetenzen von IOC, ÖOC, FIFA, UEFA, FIS, etc?
Warum kann sich die Diversität der Sportler nicht in der Organisation dieser durchökonomisierten Megaevents wiederspiegeln? Hmm, die Antwort habe ich mir damit wohl selbst gegeben.
