Stilblüten
3. Dezember 2007 von Peter
Ein mittlerweile emeritierter Professor der Publizistik hat seine Studierenden in der Einführungsvorlesung immer wieder mit Stilblüten aus seiner Zeitungslektüre beglückt. Für ihn war das, glaube ich, immer ein erster Schritt in Richtung kritischer Publizistikwissenschaftler. Insofern also, auch wenn mein Wissenschaftsverständnis ein etwas anderes ist, in bester Tradition:
Unter dem Titel “74-Jähriger bunkerte kiloweise Kokain” schreibt wien.orf.at:
Die Ermittler sind derzeit nicht nur auf der Suche nach dem versteckten Kokain, sondern auch nach dem vermutlich “dicken Konto” des Mannes, Dieser sitzt zwar mittlerweile in Untersuchungshaft.
Ob jetzt mit Beistrich oder Punkt, diese Satzkombination ergibt keinen Sinn. Vielleicht wenn man den ersten Satz aus dem nächsten Absatz hinzu nimmt:
Das Geheimnis, wo er die Drogen versteckt hat, konnte ihm bisher aber niemand entlocken.
Aus dem “Dieser-Satz” und dem “Das Geheimnis-Satz” ist es leicht einen Satz zu bauen. Aber warum dann einen Absatz zur Trennung? Hier hat wohl die Funktion “Randomize Satzzeichen und Absätze” zugeschlagen. Nur am Rande erwähnt sei, dass im Artikel mehrfach vom Drogenschmuggel und Besitz im großen Stil die Rede ist, aber nie etwas vom Verkauf zu lesen ist.
Und weils so viel Spass macht: Unter dem Titel “Wirtschaft freut sich auf Fan-Ansturm” liest man ebenfalls auf wien.orf.at gleich im Teaser:
Deutschland, Polen und Kroatien können bei der Euro auf eine große Fangemeinde zählen, leben doch in Wien etwa 23.000 Deutsche.
Was will uns die Autorin, der Autor hier mitteilen? Dass die in Wien lebenden Deutschen auch Polen und Kroaten sind? Soll hier auf die Historie referenziert werden … nein, diesen Weg werde ich nicht weiter gehen. Oder geht es darum, dass auf Grund der großartigen nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland die deutschen Fans auch die polnische Mannschaft anfeuern werden?
Um die Verwirrung noch weiter anzutreiben lese ich ein paar Absätze später:
Viele Fans werden bei Verwandten in Wien unterkommen: Laut Statistik Austria lebten am 1. Jänner 2007 exakt 24.111 Staatsbürger aus Polen, 22.766 Deutsche und 16.606 Kroaten in Wien.
In der Logik dieses Artikel müsste man sofort beginnen das Happel-Stadion auszubauen, weil ja nicht mal alle in Wien lebenden deutschen und polnischen Staatsbürger gleichzeitig im Oval Platz finden.
Und warum sich die Wiener Wirtschaft so auf den Fan-Ansturm freut wenn “viele Fans” bei Verwandten unterkommen werden, ist mir leider nicht gänzlich klar.

Wegen dem vielen Bier… Ich könnt meinen Garten an Ottakringer als externen Stellplatz für Bierfässer vermieten. Oder eine Hendlzucht aufmachen damits dann zur Euro genug Grillhendln gibt. Oder Erdäpfel schälen für den vielen Erdäpfelsalat dazu. Allein für mich persönlich tun sich da unzählige neue Möglichkeiten auf - jetzt rechne das mal hoch auf die Wiener Wirtschaft!
Da werden aber deine Nachbarinnen mit der Schrotflinte auf dich ballern solltest du die Hendlzucht aufmachen.