Wie viele Diskussionen über die hohe Drop out Zahl im Publizistik Studium musste ich eigentlich führen? Unzählige. Es reicht nur zu erwähnen, dass jährlich über 1000 Menschen das Studium beginnen um als erstes zu hören: “Ja aber die machen ja nicht alle fertig.” “Jeder studiert das mal aber fertig machen es wenige.” Und besonders beliebt: “Die fangen zu studieren an und fahren dann aber Taxi und machen nie einen Abschluss.”
Mehr oder weniger unterschwellig wird die Drop out Rate mit der Qualität der Ausbildung verknüpft und so zu einer Aussage über die Qualität der Ausbildung. Frei nach dem Motto: Wenn so viele wieder aufhören kanns nicht besonders toll, spannend, beruflich wertvoll usw. sein. In solchen Diskussionen werden dann gerne andere Studienrichtungen (bevorzugt technische) oder gleich andere Universitätssysteme (bevorzugt anglo-amerikanische) bemüht um zu verdeutlichen wie sinnlos das Publizistikstudium ist bzw. unser relativ offenes Uni-System generell. Das diese Argumente auf wackeligen Beinen stehen zeigt das folgende Beispiel.
Die gestern angesprochene Diskussion über den class divide in Facebook und MySpace geht munter weiter. Die Zahlen die danah boyd gestern gebracht hat, bzw. der Artikel dem sie die entnommen hat wird insofern kritisiert, dass das Sample nicht sehr repräsentativ ist, weil nur Erstsemestrige der University of Illinois-Chicago befragt wurden. John merkt in einem Posting an:
But while this is an interesting study, isn’t it limited in terms of class delineation given that all the respondents are university students?
Und darauf antwortet die Autorin der Studie, Eszter Hargittai, mit ein paar interessanten Zahlen:
Moreover, note that while it seems like this is a college-educated group, if you read the paper you’ll see that I mention the relatively low graduation rate at this university. By their second year, almost a quarter of these students will have dropped out of college, and in six years fewer than half will graduate so it’s best not to think of all these students as future college graduates.
Angesichts dieser Zahlen kommt die Korrelation zwischen Qualität und Drop out für mich doch deutlich ins Wanken. An der Uni in Chicago studieren immerhin 25.000 Studierende bei 2300 Uni-Lehrenden und sie hat die größte medizinische Fakultät in den USA und kann auf ein Stifungsvolumen (Endowment) von 120 Millionen US-Dollar verweisen.
Die Leute hören auf, weil die Uni schlecht ist – ich bin mir da ja nicht soooo sicher.
PS: Ich hätte auch gerne ein Blog in dem wertvoll diskutiert wird. Muss ich dazu interessantere, intelligentere, eigenständigere Beiträge schreiben? Nööööö, an mir kanns ganz sicher nicht liegen

interessantere, intelligentere, eigenständigere Sozialkontakte….?!
Ich hab grad einen Artikel geschreiben zur ö-Bildungspolitik, Uni etc. Der Bericht zur sozialen Lage der Studierenden 2006 (www.sozialerhebung.at) ist recht aufschlussreich. Es müssen einfach ganz viel Studis “neben” dem Studium hackeln. Mehr als früher.
Und nachdem alle Beihilfen, Stipendien und so weiter an Studienerfolge gekoppelt sind – du aber durchaus oft nicht in die nötigen LVs reinkommst – irgendwann haust halt mal den Hut drauf.
Vor allem, wenn du vielleicht in deinem “Nebenjob” eh mehr verdienst als dir ein abgeschlossenes Studium bringen würde. Und grad im Kommunikationsbereich (genau wie IT) kann ich mir das als guten Grund vorstellen.
In Realita schreit ja wirklich niemand Hurra! wenn du kommst und sagt “He, ich hab Publizistik/Politikwissenschaft/whateverSOWI fertig studiert!” Ausser vielleicht die Eltern.
Wenn du vorher schon deine Netzwerke geknüpft hast… ja. Aber dann ist der Titel ja auch eher ein Sahnehäubchen. Ausser du willst auf der Uni bleiben und in die Lehre “aufsteigen”. Nur, soooo toll isses dort auch nicht.
Schön langsam gehen mir die Gründe FÜR ein Studium aus… Warum schreib ich schnell noch mal eine Diss?
Na ganz so schwarz sehe ich die Situation nicht. Sicher, früher wollte man arbeiten, heute muss man oft arbeiten; oft eben auch mehr Stunden als früher. Macht eben einen Unterschied ob man sich ein “Taschengeld” verdient oder seine Existenzgrundlage. Verschultere Studienpläne bedeuten unter dieses Bedingungen auch nicht unbedingt eine Erleichterung. Aber Prügel werden einem fast überall vor die Beine geworfen. (Ich zerbreche mir den Kopf darüber wie ich ca 500 unbezahlte Praktikumsstunden in einer sozialen Einreichtung in meinen Stundenplan integrieren kann. Und trotzdem schreit niemand: Hurra, endlich sind sie da.) Das liegt wohl auch daran das Bildung bei uns gesellschaftlich keinen sonderlich hohen Stellenwert hat. In realita, zumindest.
Noch einmal neu anfangen möchte ich nicht. Ich durfte zumindest noch ein wenig herumprobieren und schauen was mich wirklich und am stärksten interessiert. Das funktioniert aber nur via trial and error. Und die aktuelle Idee dies durch eine bessere Beratung vor Studienbeginn zu ersetzen halte ich nur für bedingt erfolgversprechend. Auf der eine Seite erklärt uns zb die Management Literatur das Fehler im Lernprozess wichtig und notwendig sind und wir unsere Unternehmen zu fehlerverzeihenderen Systemen umbauen sollen. Andererseits darf man bei einer so wichtigen und folgenreichen Entscheidung wie die Berufs(vor)bildung keinen Fehler machen?
In unserer Situation schreibt man eine Diss aus intrinsischer Motivation, nicht weil damit ein Aufsteig in der Konzernhierarchie, ein besserer Job oder ähnliches verbunden wäre. Das ist eine der Folgen einer Patchwork-Karriere. Das ein wenig externe Motivation ab und zu sehr hilfreich wäre, bezweifle ich sicherlich nicht.
Ich weiß nicht. Mich ärgert das schon ziemlich. Sicher schreib ich meine Diss für mich selber. Hauptsächlich. Aber trotzdem find ichs eine Frechheit, dass ich nicht nur nicht dafür bezahlt werde sondern eigentlich arbeiten gehe damit ich Diss schreiben kann. Ohne da großartig drüber sudern zu wollen. Du hast schon recht – es ist so, und ich habs gewusst wie ich angefangen hab. Ein klassischer Fall von selber schuld. Aber ich hätts trotzdem gerne anders.
Das sagt einfach etwas über den Stellenwert von Wissenschaft und Forschung in Österreich aus. Und die vielgepriesene Nachwuchsförderung der Uni Wien trifft halt ein paar wenige, die exzellent genug (oder die richtigen Kontakte haben) um in die Initiativkollegs aufgenommen zu werden. Aber verkauft wirds wie die großartige Anhebung der AkademikerInnenquote, endlich. Damit wir im OECD Vergleich wieder besser dastehen.
Über Bildungspolitik zu reden artet immer so aus… Ich glaub meine Melanzani verbruzeln grad in der Küche… Riecht schon ganz streng.
Interessant. Von den Initiativdingern habe ich gar nichts gewusst. Verstehe auch noch nciht genau was die tun. Sind das bezahlte Forschungsstellen? Wie käme man da rein? Ich habe mich bisher auch nicht um Förderprogramme bemüht oder informiert weil es sich mit meinen sonstigen Aktivitäten kaum ausgehen würde auch noch 20h die Woche für die Diss aufzuwenden. Ich hab ja noch nicht mal einen offiziellen Betreuer.
Klar sollte es mehr Fördergeld geben und mehr Integration ins ForscherInnenleben – für die die es wollen; man kann ja nicht allen die Diss inskribieren einen Assi-Stelle geben. Das Graduierenzentrum ist ja mal ein guter Anfang aber natürlich kann man auch dort nicht die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte über Nacht aufholen.
Ich glaube, spätestens wenn es die neuen Diss-Studienpläne gibt muss sich da was massiv ändern. Es kann ja nicht sein, dass man dann die SWS-Zahl vervielfacht und verpflichtet wird an Forschungsprojekten teilzunehmen und gleichzeitig keine strukturellen Verbesserungen durchführt. Sonst wird die Diss ein Projekt dass nur mehr Uniangestellte durchführen können oder in die Pension verschoben werden muss. Neben einem Job geht dass dann sicher nicht mehr.
Natürlich unterstütze ich massiv die Forderung nach mehr Arbeits/Ausbildungsplätzen für DoktorandInnen. Aber dafür bräuchte es auch Menschen innerhalb der Institution die sich dafür einsetzen und verantwortlich fühlen und auf der anderen Seite müsste klar sein, das man mit so einer Stelle aber nicht automatisch ein Anrecht auf eine lebenslange Stellung bekommt. Und damit kommt mM nach noch ein kulturelles Problem dazu weil in vielen Köpfen Uni immer noch viel mit einem beamteten Dasein zu tun hat.
Bei den Initiativkollegs kann man sich bewerben – 12 bezahlte Diss Stellen für 3 Jahre pro Kolleg. Ich glaub frühestens werden die wieder in 2 Jahren ausgeschrieben. Die erste Runde ist ja grad im Laufen.
Im Grunde muss sich das ganze Doktorat neu orientieren. Aber auf der Sowi ist das ja schon in Diskussion. Ich glaub mich frustets grad so, weil ichs so präsent hab – wegen der Artikelrecherche und den Doktorat Neu Diskussionen und so.