Österreichs Top-Wissenschaftler
15. Oktober 2007 von Peter
Wer kennt sie nicht, diese Umfragen bei denen Menschen relativ einfache Dinge gefragt werden aber vollkommen versagen. Ganz beliebt: Amerikaner die Australien mit Nordkorea verwechseln oder Frankreich und Deutschland zur axis of evil zählen. Youtube ist voller Beispiele.
Nicht in diese Kategorie von Umfragen fällt eine Studie des Gallup Instituts über die die Presse berichtet hat. Hier wurden 1000 ÖsterreicherInnen über 16 Jahren befragt wer für sie die bekanntesten Wissenschafter des Landes sind. Das Ergebnis ist sooooo blamabel, dass mir jeder Vergleich, selbst der mit der unterirdisch spielenden österreichischen Fussballnationalmannschaft vollkommen vermessen vorkommt.
Die ersten zwei haben mit Spitzenforschung so viel zu tun wie ich mit einem PGA Masters Erfolg. Der Drittgereihte hat jedenfalls ein Studium abgeschlossen und auch wissenschaftlich gearbeitet - vor 50 Jahren.
Für die ÖsterreicherInnen ist Josef Broukal der Top-Wissenschaftler, gefolgt von Ioan Holender und Hans Hass. Also auf Platz eins ist ein ehemaliger Journalist, Nachrichtensprecher, Studienabbrecher und leider-nein-Wissenschaftsminister der, seit dem er in der Politik ist … naja … hmm … (vielleicht fällt mir ja noch etwas ein).
Auf Platz 2 ist mit Ioan Holender ein ehemaliger Sänger und Operndirektor gelandet. Einen Mondflug möchte ich ihn nicht unbedingt berechnen lassen und Kant lasse ich mir auch lieber von jemand anderem erklären.
Auf Platz 3 landet in dieser Umfrage der Tiefseetaucher und Filmemacher Hans Hass. Wie Hass so weit vorne landen konnte, ist mir ein Rätsel (Interviewsample im PensionistInnen Heim?) sind doch seine wissenschaftlichen Leistungen einige Zeit her und ist er doch vor allem für seine Tier-Dokus bekannt.
Ich will die Leistungen der genannten keinesfalls schmälern oder unterschätzen, schließlich können sie nichts dafür dort gelandet zu sein. Den Befragten den schwarzen Peter zuzuschieben wäre aber zu einfach und so falsch wie die Schadenfreude darüber, dass die Amerikaner so blöd sind dass sie nicht mal Neuseeland am Globus finden.
Vielmehr zeigt dieses Ergebnis den Stellenwert von Forschung und Wissenschaft in der Gesellschaft. Was müssen sich Menschen die Broukal und Holender angegeben haben, eigentlich bei den Debatten um Studiengebühren, Zulassungsbeschränkungen und Eliteuniversität denken? Wahrscheinlich nichts. Sie schalten das Gehirn so aus wie ich beim Musikantenstadl. Und ich kann es ihnen auch gar nicht verübeln. Aber es ist ihnen nicht vollkommen egal, sie haben ein Gespür dafür, dass hier etwas nicht stimmt. Nur so kann ich mir das Ergebnis bei der Frage nach dem Forschungsstandort Österreich erklären:
Nur 23 Prozent der Befragten finden hier die Situation „zufriedenstellend“, 64 Prozent meinen, es sollte mehr getan werden, 13 Prozent haben keine Meinung.
Für mich stellt sich die Sache so dar: Auf der einen Seite stehen Menschen die persönlich mit Wissenschaft nicht viel anfangen können, denen aber klar ist das Wissenschaft und Forschung für die Gesellschaft wichtig ist. Auf der anderen Seite haben sie es mit einer Politik zu tun die tunlichst niemanden fordern will und seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, es nicht schafft gute Konzepte zu entwickeln und folglich nicht zu kommunizieren. Ältere Semester meinen öfters, dass die österreichische Wissenschaftspolitik seit Hertha Firnberg massiv stagniert und auch keine Nachfolger von Firnbergs Format mehr hervorgebracht hat. Vielleicht ist da ein wenig Vergangenheitsverklärung dabei aber für die letzten 15 Jahren die ich sehr direkt miterlebt habe kann ich diese Position nur bestätigen. Und dass der Staatsfunk Vera, HelpTV und ähnliche mit Softnews und gefährlichem Halbwissen vollgestopften Programme als Informationssendungen deklariert führt eben dazu, dass der Anchorman eines Wissenschaftsmagazins (Modern Times) zum Top-Wissenschaftler wird. Schöne Zukunftsaussichten für Carolina Inama, die Moderatorin des aktuellen ORF-Wissenschaftsmagazin “Newton”.
Der Vollständigkeit halber sei abschließend erwähnt, dass auf den Plätzen dann vier, fünf, usw. nicht die Starmaniacs und TXO Stars kommen sondern dann schon die heimische wissenschaftliche Elite eintrudelt: Quantenphysiker Anton Zeilinger, Sozialwissenschafterin Helga Nowotny, Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, Molekularbiologe Josef Penninger, Historiker Walter Pohl, Philosoph Konrad Paul Liessmann, Molekularbiologin Renée Schroeder und Mathematiker Rudolf Taschner.

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und danke fuer die erwaehnung der plaetze 4, 5 usw. — das ist ja immerhin etwas.