Bezahlte Propaganda
12. Oktober 2007 von Peter
Mal schauen wer aufklären wird, wie nun die Beziehung zwischen Arigona und dem ORF aussieht. Mit den Vorwürfen bekommt die Angelegenheit jedenfalls einen aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht, weiteren Aspekt. Propaganda bzw. später harmloser Public Relations genannt gibts als Wissenschafts- und Businessmodell seit ca. 100 Jahren. Damals machte sich Edward Bernays in den USA (übrigens ein Immigrant) Gedanken darüber, wie man Erkentnisse der Massenpsychologie und der Psychoanalyse (Sigi Freud war sein Onkel) verwenden kann um die Massen quasi Unterbewusst zu manipulieren. Mehr dazu findet man in dem Standardwerk von Larry Tye: The Father of Spin.
Das die PR einen weiten Weg zurückgelegt hat und ihr dabei die Politik mehr als nur auf halben Weg entgegen gekommen ist, zeigt eine tolle Reportage des NDR im großartigen Medienmagazin ZAPP.
Wie es sich für einen ordentlichen öffentlich-rechtlichen Sender gehört ist der Beitrag online abzurufen und der Moderationstext nachzulesen. Der Beitrag ist erfrischend schonungslos und lehrreich ohne besserwisserisch zu werden und stellt Positionen von PR-Beratern, JournalistInnen und ministeriellen Pressesprechern gekonnt in Beziehung. Überrascht hat es mich dann nämlich schon, dass Ursula von der Leyen als erste deutsche Politikerin den Preis vom Branchenverband der PR-Berater für ihre tolle PR-Arbeit bekommen hat.
Natürlich ist PR keine Einbahnstrasse. Ohne Herausgebern und RedakteurInnen die da mitmachen, würde so manche Zeitung anders aussehen. Auch dazu gibts in dem Beitrag hervorragendes Material. Beispielsweise erklärt eine Redakteurin die gerade einen ministeriellen PR-Text eins zu eins auf die Titelseite gecopy-pasted hat:
“Wenn solche Artikel kommen, werden die von uns eigentlich nur noch etwas nachredigiert und bzw. in unser Layout eingepasst. Aber dadurch, dass ja bei diesen Pressestellen von den einzelnen Ministerien auch Leute arbeiten, die journalistische Erfahrungen haben, kann man diese Texte manchmal also auch eins zu eins übernehmen.”
Reporterin: “Das heißt, diese Texte sind für sie Journalismus, nicht Werbung?” Redakteurin: “Genau. Weil direkt Werbung ist bei uns immer, wo Werbung gemacht wird für eine Firma oder für ein Produkt. Und der Staat ist keine Firma.”
Tja, Werbung ist wo Werbung drauf steht. So viel Ehrlichkeit ohne bösen Hintergedanken…
Eine absolute Empfehlung für diesen Beitrag und das Magazin ZAPP, das auch auf 3sat ausgestrahlt wird. In Österreich gibts leider nichts vergleichbares. Wie auch, da müsste man ja unter Umständen unangenehme Fragen stellen und jemand von dem man noch einmal was brauchen könnte auf die Zehen steigen.
Ein weiterer Tipp für LeserInnen mit Interesse an Werbung und PR ist das schon mal erwähnte Mad Man. Ein serialized drama vom Produzenten der Sopranos über die Advertising Man an der Madison Avenue im New York der 1960er. Neben Zigarettenwerbung macht man sich hier auch Gedanken darüber wie man Tricky Dick (Nixon) besser positionieren kann.
