Ein typisches Delay Problem
20. September 2007 von Peter
Die Finanzmärkte kommen nicht zur Ruhe. Trotz der Zinssenkung der amerikanischen Fed, gibt Ben Bernanke heute an dass die Zwangsversteigerungen anhalten werden und ihren Höhepunkt noch nicht erreicht haben. Bis zu 200.000 Amerikaner sollen in den nächsten 6 Monaten ihre Häuser verlieren. Diese weitere Warnung löst an den Börsen Verwirrung hervor.
Im Prinzip haben wir es aber mit einem ganz typischen Delay und Akkumulations Problem in komplexen Systemen zu tun. Vom platzen der Immobilien-Blase wurde ja auch nicht nur ein paar Wochen gewarnt. Inadequates oder fortgesetzt missinterpretiertes Feedback führt zu solchen Verzögerungs- und Ansammlungsproblemen. Daher ist es auch clever und richtig von Bernanke vorsichtig zu bleiben. Wir sind noch nicht über den Berg und jede Intervention kann unintended consequences mit sich bringen.
Aber man muss nicht die globale Finanzwelt simulieren um über solche Effekte zu lernen. Ein einfaches Spiel entwickelt an der Sloan School of Management des Massachusetts Institute of Technology von Jay W. Forrester in den 1960ern läßt diese Delay-Erfahrung ganz ungefährlich an einem Nachmittag erleben. Das “Beer Game” ist ein einfaches rundenbasiertes Brettspiel in dem eine Vertriebskette von der Produktion bis zum Einzelhändler simuliert wird. Die einzige Kommunikation die zwischen den HändlerInnen stattfindet ist die Bestellliste alle 14 Tage (= eine Runde). Durch vermeintliche Schwankungen in der Nachfrage – missinterpretiertes Feedback – schaukelt sich das System in unglaubliche Ineffizienzen.
Eine eingehende Beschriebung des Spielablaufs findet sich in Peter Senges “Die fünfte Disziplin” und am MIT kann man es online anspielen.
