Neidgesellschaft
16. August 2007 von Peter
In was für einer grausigen Neidgesellschaft wir leben wird wieder mal in den Postings zu einem Artikel über die höheren Aufwandsentschädigungswünsche unserer Bürgermeister deutlich.
Franz Steininger, Präsident des oberösterreichischen Gemeindebunds und selbst Bürgermeister der Gemeinde Garsten, hat eine Befragung aller österr. Bürgermeister zum Anlass genommen über die Aufwandsentschädigungen nachzudenken.
Die “Gehälter” der oberösterreichischen Bürgermeister sind folgendermaßen gestaffelt: Zählt eine Gemeinde weniger als 1.000 Einwohner, bezieht der (nebenberuflich tätige) Bürgermeister 1.604 Euro brutto im Monat. Bis 2.000 Einwohner bekommt er etwas mehr als 2.000 Euro, bis 3.000 Bewohner um die 2.400 Euro.
Deutlich mehr verdienen die hauptberuflichen Bürgermeister: bei Gemeinden ab 4.500 Einwohnern erhalten sie rund 5.600 Euro, ab 10.000 Einwohnern 6.400 Euro, ab 20.000 Einwohnern 8.000 Euro. Der Bürgermeister der Landeshauptstadt Linz verdient 13.000 Euro.Für einen hauptberuflichen Bürgermeister eigentlich ein Gehalt der mM in Ordnung geht. Die nebenberuflichen Bürgermeister - die wohl die Mehrheit ausmachen - sind mM etwas unterbezahlt. Schließlich gibts auch in einer kleinen Gemeinde einiges an Sitzungen, Budgets etc. zu erledigen. Zumal man in einer kleinen Gemeinde wahrscheinlich mehr in inoffizielle bzw persönliche Kontakte verwickelt ist als in großen Gemeinden. Dort gibts auch meistens einen Staff der sich um Termine, Veranstaltungen, Presse etc kümmert und hilft Entscheidungen vorzubereiten.
Das aber auch diese 1600 bis 2000 Euro brutto schienbar zu viel sind zeigen die Postings unter dem Artikel.
Bei einem Nebenverdienst von 2400 Euro bzw. einem Haupteinkommen von mind. 5600 Euro können es sich viele Leute nicht leisten, Bürgermeister zu werden? Daraus folgt, dass Herr Steininger der Meinung ist, das man mit 5600 Euro pro Monat, bzw mit einem regulären Einkommen+etwa 2000 Euro, nicht auskommen kann. Ich weiß nicht, was für eine Art von Bürgermeister er ist, aber volksnah sicher nicht… es gibt Menschen, die mit 10% von diesen Gehältern auskommen müssen! Frechheit, dass man sich bei diesen Gehältern auch noch aufregt. Schamvoll schweigen sollte er zumindest.
Noch dem Motto laufen ca 60 der 80 Postings die aktuell dort zu lesen sind. Typisch österr. Neidgesellschaft.
Was mich demokratiepolitisch mehr stört wenn auch weniger überrascht ist, dass
84 Prozent sind nebenberuflich Bürgermeister, das Gros arbeitet nebenher noch als Landwirt (21 Prozent) oder als öffentlicher Bediensteter (40 Prozent).
