Rechtsfahrgebot
14. August 2007 von Peter
Mit dem Fahrrad hält man sich nicht immer ganz genau an die Strassenverkehrsordnung. Schnell wird über einen Gehsteig abgekürzt, durch die Fußgängerzone gerollt oder spät nachts eine rote Ampel ignoriert - selbstverständlich nur nachdem man sich davon überzeugt hat, dass es sicher ist.
Wien ist eine sehr fahrradfreundliche Stadt mit einem, vor allem im Zentrum, sehr guten Fahrradwegenetz, einem Gratis-Fahrradausleihsystem und nicht zuletzt einigen Anbietern die an Touristen Fahrräder vermieten damit die so die Stadt erkunden können.
Jetzt war ich grad radelnd am Heimweg und sehe ein Stück vor mir drei RadlerInnen am linken Strassenrand fahren. Nachdem wir eine Einbahn befahren nicht sonderlich gefährlich und vielleicht wollen sie ja die nächste Strasse links abbiegen. Nix da. Von hinten fährt ein Auto an uns vorbei, die drei RadlerInnen bleiben links. Ein zweites Auto, die RadlerInnen bleiben stur links. Ich hole auf und erkenne, dass es sich um Touri-Leihfahrräder handelt. Ich denke mir, bist nett, sind vielleicht Engländer, Inder, Australier etc die einfach vergessen haben, dass sie rechts fahren sollten. Auf gleicher Höhe sage ich: You should drive on the right side. That’s much more secure. Als Antwort kommt ein: Hääääää, watt hat er gesagt?. Oh, man spricht Deutsch, denke ich mir und sage: Sie sollten besser rechts fahren. Das ist sicherer. Daraufhin beginnt ein kleiner Dialog unter den RadlerInnen.
A: Der meint wir sollen rechts fahren.
B: Ja und, störts wen? Fahr weiter.
A: Mach ich eh.
Zu mir sagt niemand etwas. Ich habe nur das Gefühl man schaut mich an wie einen Verrückten, der ihnen gerade gebratenen Hund angeboten hat. Kopfschüttelnd trette ich etwas fester in die Pedale.
Das Rechtsfahrgebot scheint generell nicht so wahnsinnig erst genommen zu werden. Wenn ich mit meinem altersschwachen Renault (Spitze 120 km/h) auf der Autobahn fahre musste ich mich nicht erst ein Mal über Langsamfahrer (100km/h) auf der zweiten oder dritten Spur ärgern. Laut STVO müsste ich die Fahrstreifen wechseln und links überholen - ärgerlich und nicht ganz ungefährlich. Und das nur weil manche, vor allem Nachts, meinen dass sie von Klagenfurt bis Wien auf der zweiten Spur fahren müssen.
Auch eine ÖAMTC Studie ist schon vor einiger Zeit zu dem Schluss gekommen dass jeder Vierte links fährt.
Gerade wenn wenig los ist auf Österreichs Straßen, zieht es viele auf den linken Fahrstreifen, stellte der ÖAMTC-Experte bei seiner Erhebung fest: Je geringer das stündliche Verkehrsaufkommen pro Fahrstreifen, um so höher der Linksfahrer-Anteil. So konnte festgestellt werden, dass bei einer Belastung von lediglich 200 Fahrzeugen auf dem linken Fahrstreifen jeder vierte Lenker unmotiviert diesen Fahrstreifen benutzte und laut Straßenverkehrsordnung eigentlich auf den rechten Streifen zurückwechseln hätte müssen.
